29. Juni 2025. Heute führt mich meine Spurensuche ins Lötschental. Vor gut einem Monat ist hier der Birchgletscher ins Tal gestürzt und hat beinahe das gesamte Dorf Blatten unter Eis- und Felsmassen begraben. Der Anblick lässt einen leer schlucken – und bewegt die ganze Schweiz. Wie so oft kommt dabei dieselbe Diskussion auf: Ist der Klimawandel schuld?
Für mich ist das die falsche Frage. Das Klima spielt zwar immer eine Rolle, ist aber gleichzeitig auch immer nur einer von vielen Faktoren, die ein solches Ereignis auslösen. Und das wird auch zukünftig so bleiben. Wäre es nicht sinnvoller, die sich insgesamt häufenden Instabilitäten im Berggebiet zu betrachten, statt den Einfluss des Klimawandels auf einzelne Ereignisse zu diskutieren?

Denn eines ist klar: Der Permafrost taut auf. Und weil dadurch mehr Wasser in den Fels eindringen kann, werden die Hänge instabiler. Die Alpen bröckeln. Auch im Wallis wollen viele Entscheidungsträger:innen diese Tatsache noch nicht wahrhaben. Nirgendwo sonst in der Schweiz wird auch nur annähernd so viel in Gefahrenzonen gebaut wie hier.
Ich frage mich, weshalb vorausschauendes Handeln ausgerechnet in einem Kanton, der seit jeher von Naturkatastrophen geprägt ist, einen so schweren Stand hat. Und doch hoffe auch ich, dass das Leben zumindest punktuell wieder nach Blatten zurückkehrt. Denn es sind auch die belebten Täler, die die Alpen zu einem so wunderbaren Gebirge machen.

